Regenwasser gehört nicht in die Kanalisation

Das Wesentliche an der Permakultur erscheint mir ein veränderter Blick zu sein, z.B. auf unsere Umgebung, und zwar einer, der Ressourcen sieht und Möglichkeiten für förderliche Verbindungen. Mir selbst ging es nach meinem ersten Permakultur-Design-Kurs so, dass ich den Garten meiner Mutter, den ich schon seit einigen Jahren mitgestaltet hatte, noch einmal ganz anders sah. Ein Motto, das wir auf dem Kurs wie ein Mantra wiederholt hatten, war: „Catch and Store energy“ – Das heißt, wenn wir ein Gelände permakulturell gestalten, versuchen wir, alle Ressourcen, die von alleine auf das Grundstück kommen, dort zu halten und sie nicht ungenutzt zu lassen. Anknüpfend daran fiel mir auf, dass wir sehr viel Wasser verschenkten: Es gab zwar schon immer drei Regentonnen, eine am Carport und zwei hinten im Garten, aber im Vorgarten verschwand das Wasser, das auf der größeren Dachfläche des Hauses aufkam, noch ungenutzt in der Kanalisation.

Ich warf eine kleine Zeichnung aufs Papier, wie man diesem Missstand beheben könnte, und tatsächlich war meine Mutter von der Idee so angetan, dass sie einen befreundeten Landschaftsgärtner beauftragte, sie umzusetzen. Nun ist das Fallrohr angezapft und das Wasser fließt in zwei Mörtelkübel und danach noch in einen Miniteich auf der anderen Seite des Weges.

Gut, die Mörtelkübel sind noch nicht die schönste Lösung, 

die ich mir vorstellen kann (auch weil in den Kübeln jeweils eine Holzlatte lehnen muss, damit sich hineingefallene Tiere retten können), aber: „Slow and small solutions“ ist auch ein Permakultur-Prinzip, und es steht dafür, mit dem anzufangen, was erreichbar ist, und die Lösungen dann zu verbessern. Und selbst in dieser simplen – und kostengünstigen – Ausführung  hat die Anlage schon viele Vorteile:

 

  • man kann essbare Wasserpflanzen in Hängekörben am Kübelrand anbauen, z.B. Brunnenkresse (neue Anbaufläche für Pflanzen, für die es vorher keinen Ort gab);
  • in den Mörtelkübeln kann man gut die Gießkanne füllen, statt durch den Carport zur Regentonne laufen, um im Vorgarten zu gießen (Aufwand verringern, dadurch Energie sparen durch geschickte Anordnung der Elemente);
  • der kleine flache Teich wird von Vögeln als Tränke und Badegelegenheit genutzt, auch Insekten, z.B. Bienen kommen zum Trinken (die eigene Umbgebung auch im Gedanken an andere Lebewesen gestalte)
  • Außerdem nutzen Insekten den kleinen Teich auch als Lebensraum: Insektenlarven z.B. von Libellen oder, nicht so populär, aber auch wichtig: Mücken leben im Wasser (es gab übrigens aufgrund des Miniteiches noch keine Mückenplage, und wir sollten nicht vergessen, dass Mücken auch Nahrung für Singvögel oder Schwalben sind);
  • über die Wasserflächen verdunstet Wasser in die Luft, das bedeutet: Kühlung und Luftbefeuchtung. Das ist gerade in Städten sehr wichtig, da das Stadtklima durch die vielen versiegelten Flächen sehr trocken und wärmer als das der weniger überbauten Umgebung ist.

 

Gut, ein kleiner Mini-Teich macht da noch nicht so besonders viel aus, aber hier geht es um das Prinzip, dass schon kleine Veränderungen vielfältige positive Effekte haben können. 

Zusätzlich zu dieser „Wasser-Befreiung“ habe ich angeregt, den Garten der vorher als naturnaher Bio-Garten angelegt war, in eine essbare Landschaft zu verwandeln. Seitdem sind auf dem ca. 200 m2 großen Grundstück  ein Apfelspalier und ein Apfelbaum in Spindelform, 1 Kirschbaum, 2 Weinstöcke, 4 Blaubeer-, 2 Himbeer- und noch je 2 Johannisbeer- und Stachelbeersträucher hinzugekommen. Nun wird der Platz knapp, also werden in den nächsten Jahren eher kleinere Stauden und essbare Bodendecker hinzukommen. 

Bei dieser Idee bestand die neue Sicht, die ich durch den PDK bekommen hatte, darin, dass ein naturnaher Garten auch dem Menschen einen direkten Nutzen in Form einer Ernte bringen kann. Das ist der Mitwelt-Gedanke einmal aus der anderen Perspektive: Um der Natur etwas Gutes zu tun, müssen wir selbst nicht unbedingt altruistisch sein und verzichten, sondern eine Synthese ist möglich.  

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